Wall Street Watch


DER BLOG FÜR BÖRSE, WIRTSCHAFT UND POLITIK

Hier bloggt der deutsche Finanzjournalist Michael Rasch zu aktuellen Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten sowie in Wirtschaft und Politik.
Hauptberuflich leitet der 43-jährige Ökonom seit vielen Jahren die Redaktion Börsen & Märkte der Neuen Zürcher Zeitung und ist Co-Autor des Buchs "Die heimliche Enteignung".

Folgen Sie ihm auf Twitter: @raschnzz


Dark Pools und Broker Crossing Networks

Der Aktienhandel verschwindet in dunklen Kanälen

Wettbewerb unter Börsenbetreibern bringt viele Vorteile, führt aber zu negativen Effekten wie Intransparenz und Zersplitterung des Marktes, denn der Aktienhandel verteilt sich immer mehr auf unzählige ausserbörsliche Handelsplätze. Dazu zählen auch die mysteriös anmutenden Dark Pools, bei denen es oft keine neutrale Handelsüberwachung gibt. Wie sind diese Angebote einzuordnen? Lesen Sie mehr hier [328 KB] .

Zürich, den 16. Mai 2014


Hochfrequenzhandel II

Der blitzschnelle Börsenhandel braucht kein Tempolimit

Der Aktienhandel innerhalb von Milli- und Mikrosekunden durch Hochfrequenzhändler steht in der Kritik, obwohl er stark zur Verbesserung der Marktqualität beiträgt. Tatsächlich gibt es auch Probleme. Diese fussen aber nicht auf der Geschwindigkeit, sondern auf Exzessen einiger Marktteilnehmer. Lesen Sie meinen Leitartikel hier [60 KB] .

Zürich, den 10. Mai 2014


Hochfrequenzhandel

Brutaler Kampf der Maschinen

Der Wertpapierhandel ist inzwischen unvorstellbar schnell, vor allem bei börsengehandelten Produkten wie Aktien. In den USA wurde jüngst von einem Technologieanbieter für 300 Mio. $ eine neue Leitung zwischen Chicago und New Jersey gelegt, welche die Übertragung von Transaktionen um 3 Millisekunden (ms) auf nur noch 13,3 ms reduziert (1 Sekunde = 1000 Millisekunden). Hochfrequenzhändler und Investmentbanken standen Schlange, um Millionen für die Nutzung dieser Leitung zu zahlen.

Der Extremismus bei der Schnelligkeit des Handels im Aktienmarkt zeigt sich gut durch Zahlen, die letzten Herbst von der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlicht wurden. Im Fokus stand dabei vor allem die Annullierung bestehender Quotes. Ein Quote ist ein Handelsangebot zu einem bestimmten Preis. Heutzutage werden die meisten Quotes gar nicht mehr ausgeführt, sondern vor einer möglichen Ausführung annulliert. Dies sorgt immer wieder für Kritik, weil viele Order kein «wahres» ökonomisches Interesse spiegeln, andere Marktteilnehmer täuschen und die Systeme der Börsenbetreiber stark belasten würden. Inzwischen bleiben 38,7% aller stornierten Order lediglich 500 ms (0,5 Sekunden) oder weniger im Markt.

Doch das ist nicht einmal die Spitze des Eisbergs. 23,2% aller stornierten Order sind nur 50 ms oder weniger lang ausführbar, 4,2% nur 100 Mikrosekunden (μs, 1 Mikrosekunde = 1000 Millisekunden) oder weniger lang und 2,1% lediglich 50 μs. Es gibt jedoch Marktteilnehmer, die sich innerhalb dieser Zeitspannen auf die Order einlassen. So finden 0,7% aller Transaktionen innerhalb von 50 μs oder weniger statt, 1,4% in 100 μs und 18,2% in 50 ms.

Obwohl ein Grossteil der Order im Mikro- und Millisekundenbereich also tatsächlich nie ausgeführt wird, kann man nicht pauschal von «unnützen» Quotes sprechen. Die Daten der Börsenaufsicht zeigen einfach, wie brutal der Wettbewerb der Hochfrequenzhändler untereinander bzw. der Kampf der Maschinen insgesamt geworden ist.

Zürich, den 3. Mai 2014


Folgen des US-Haushaltsstreits

Bernanke könnte Beginn des Tapering Yellen überlassen

Der frühere US-Präsident Ronald Reagan soll gesagt haben, die angsteinflössendsten Worte im Englischen seien: «I'm from the government, and I'm here to help.» An dieses Bonmot musste wohl denken, wer jüngst den unwürdigen Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern verfolgt hat. Nach der «Einigung» in letzter Minute rücken nun wieder andere Themen in den Fokus von Wirtschaft und Märkten.

Letztere haben den Shutdown und den drohenden Default gut verkraftet; die Aktienindizes stehen dicht unter ihren Rekordhochs. Die Gelassenheit hatte drei Gründe: Erstens erschien die Wahrscheinlichkeit eines Defaults als sehr gering. Zweitens durfte man aus den historischen Erfahrungen mit Shutdowns schliessen, dass die Folgen für die Börsen überschaubar sein werden. Und drittens ist der Beginn des von der US-Notenbank (Fed) in Aussicht gestellten dosierten Bremsmanövers (Tapering) in der Geldpolitik unwahrscheinlicher geworden. So sind zum einen die ökonomischen Folgen des Shutdown unklar, was für einige Wochen oder Monate die Unsicherheit erhöhen wird. Beobachter rechnen mit einer Verringerung des Wachstums in diesem Jahr um 0,3 bis 0,6 Prozentpunkte, und die Rating-Agentur S&P sieht einen Schaden über 24 Mrd. $. Zum anderen wurden durch den Shutdown wichtige Informationen wie der Arbeitsmarktbericht und die Daten zu Lagerbeständen und Auftragseingängen nicht publiziert.

Es gilt daher als sicher, dass das Fed mit dem Tapering nicht bei der Sitzung Ende Oktober beginnen wird. Danach hat Präsident Bernanke nur noch zwei Gelegenheiten, nämlich Mitte Dezember und Ende Januar, den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik, die seine Amtszeit kennzeichnete und erhebliche Risiken birgt, selbst einzuleiten. Dann gibt er das Zepter an Nachfolgerin Janet Yellen ab; sie gilt als Vertreterin einer noch laxeren Geldpolitik. Die Finanzmärkte würden die weitere Verschiebung des Tapering als Abschiedsgeschenk von Bernanke sicher dankbar annehmen.

Zürich, den 15. Dezember 2013


Kampf um Twitter-Börsengang

New Yorker Börse düpiert Nasdaq einmal mehr

Die Entscheidung von Twitter, die eigenen Aktien an der New York Stock Exchange (NYSE) und nicht an der elektronischen Technologiebörse Nasdaq kotieren zu lassen, wirft ein Schlaglicht auf den Kampf der beiden amerikanischen Börsenbetreiber und ist ein Sieg für die NYSE. Der Börsengang von Twitter ist wohl der öffentlichkeitswirksamste seit jenem von Facebook vor anderthalb Jahren.

Der Handel mit Aktien wird für die Börsen tendenziell immer unattraktiver, das gilt vor allem in den USA. NYSE und Nasdaq vereinen teilweise nur noch rund 20% des Handels mit Aktien auf sich, die bei ihnen kotiert sind. Der übrige Handel mit den betreffenden Titeln findet an rund einem Dutzend alternativen Handelsplattformen für Aktien oder ausserbörslich statt. Das Geschäft mit den Kotierungen trägt bei beiden Börsen inzwischen mit etwa 20% zu den Erlösen bei und ist zudem sehr prestigeträchtig. Daher ist hinter den Kulissen offenbar ein grosser Kampf um die attraktivsten Börsengänge entbrannt, wobei sich die Kontrahenten dem Vernehmen nach nicht zu schade sind, auf die Fehler des anderen zu verweisen. So wird im Hinblick auf die Nasdaq gern darauf aufmerksam gemacht, dass die Firma zum vermasselten Börsengang von Facebook beigetragen hat, weil es technische Probleme gab. Umgekehrt wird mit Blick auf die NYSE gern an den Flash-Crash erinnert, bei dem der Dow Jones innert Minuten um 10% abstürzte.

Traditionell gingen früher Technologie- und Internetunternehmen an die Nasdaq. Von 2001 bis 2010 vermeldete sie in diesem Segment laut dem Datenanbieter Bloomberg rund 260 Neulinge, während die NYSE nur auf rund ein Drittel davon kam. Seit 2011 ist die NYSE mit 50 Kotierungen (u. a. Linkedin, Pandora Media und Yelp) jedoch fast gleichauf mit den 55 der Nasdaq (u. a. Facebook, Groupon). Wenngleich das Volumen dieser Neulinge mit 26 Mrd. $ zu 9 Mrd. $ noch klar für die Nasdaq spricht, verliert sie doch im Technologie-Segment klar ihren Vorsprung vor der NYSE.

Zürich, den 16. Oktober 2013


Neue Präsidentin der US-Notenbank

Janet Yellen muss mit Feuertaufe rechnen

Wenn Janet Yellen am 1. Februar ihr Amt antritt, dürfte sie kaum Zeit zur Eingewöhnung haben. Dafür sprechen das derzeit schwierige geldpolitische Umfeld sowie historische Erfahrungen bei den Wechseln an der Spitze der US-Notenbank. Jedoch benötigt die designierte Präsidentin wohl kaum Eingewöhnungszeit, denn sie verbrachte den Grossteil ihrer Karriere bei Notenbanken und ist seit 2010 Vizevorsitzende des Fed.

Die Bank Julius Bär kam in einer Analyse zum vergangenen Wechsel auf dem Chefsessel der US-Notenbank im Jahr 2006 zu dem Ergebnis, dass die Finanzmärkte rund um die letzten zwölf Chefwechsel seit der Fed-Gründung am 23. Dezember 1913 sehr volatil waren. Dies sei angesichts der mit einem neuen Amtsinhaber verbundenen Unsicherheit verständlich. Zudem wurde in den letzten 43 Jahren jeder neue Präsident der US-Notenbank kurz nach der Inthronisation mit einer Krise konfrontiert. Anno 1970 kam es unmittelbar nach Amtsantritt von Arthur F. Burns zu Turbulenzen am Devisenmarkt. Diese führten letztlich zum Ende des Bretton-Woods-Systems, dem damaligen Währungssystem mit festen Wechselkurs-Bandbreiten und dem Dollar als Ankerwährung.

Im Jahr 1978 ereignete sich wenige Monate nach der Übernahme des Vorsitzes der Federal Reserve durch G. William Miller ein Absturz am Bondmarkt infolge der damals grassierenden hohen Inflation. Und 1987 kollabierte der Aktienmarkt nur wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Alan Greenspan am 11. August. Am «schwarzen Montag» vom 19. Oktober fiel der Dow Jones um sagenhafte 22,6%. Dies ist der grösste je verzeichnete prozentuale Verlust des «Dow».

Auch beim Amtsantritt von Ben Bernanke, der Greenspan Anfang 2006 ablöste, verwiesen altgedienter Beobachter auf die historischen Erfahrungen nach einem Wechsel der Präsidentschaft der US-Notenbank. Neue Fed-Präsidenten, so hiess es, würden von den Marktteilnehmern schnell getestet. Als Ben Bernanke das Ruder übernahm, herrschte in der Finanzwelt allerdings eitel Sonnenschein. Die Aktienmärkte boomten, und fast niemand konnte sich vorstellen, dass bereits dunkle Wolken am Horizont heraufzogen. Doch 2007 begann mit dem Kollaps des amerikanischen Subprime-Marktes die bis heute anhaltende Finanzkrise.

Sie wurde von Zentralbankern ebenfalls nicht vorhergesehen. Das gilt auch für Janet Yellen, wie sie selbst einmal einräumte. Zudem steht mit Yellen erneut eine Ökonomin an der Spitze des Fed, die praktisch keine Erfahrungen in der Privatwirtschaft hat, sondern eine rein akademische Karriere absolvierte. Ihr fällt nun die schwierige Aufgabe zu, die ultraexpansive Geldpolitik der letzten Jahre zurückzufahren, ohne dass es zu grösseren Turbulenzen am Anleihenmarkt oder Crashs an den Aktienbörsen kommt. Dies dürfte eine kaum lösbare Aufgabe werden.

Zürich, den 12. Oktober 2013


Kampf der Handelsplattformen

Schweizer Börse verliert unangenehm viel Marktanteil

Die Schweizer Börse steht unter Druck. Sie verliert weiter Marktanteile im Handel mit eigenen Aktien an andere Handelsplattformen - und langsam wird die Lage unangenehm. Inzwischen kommt sie zum Teil nur noch knapp über die Marke von 60%, die intern offenbar als kritische Schwelle angesehen wird. Es stellt sich nicht nur die Frage der Profitabilität, sondern auch, wie lange eine Börse noch der Referenzmarkt für den Handel mit den bei ihr kotierten Aktien ist.

Die einstigen Börsen-Monopolisten wie etwa SIX, Deutsche Börse, Euronext oder London Stock Exchange sind inzwischen allesamt massivem Wettbewerb durch alternative Handelsplattformen (MTF) und Banken ausgesetzt. In Europa konnten die Börsenbetreiber zwar in den vergangenen Jahren den Marktanteil bei knapp 70% stabilisieren, doch die SIX musste im Sommer einen harten Schlag hinnehmen. Während zuvor der Anteil im Handel mit Schweizer Aktien, wie z. B. Nestlé, Novartis und ABB, gemäss Beobachtern zwischen 65% und 70% schwankte, ist er nun auf 60% bis 65% abgerutscht. Die SIX will keine Monatsangaben machen, räumt aber ein, dass im Sommer das Volumen niedrig gewesen sei, wovon in der Regel die MTF profitieren würden. Seit Anfang Jahr liege der Marktanteil im Durchschnitt bei rund 67%. Vielen Kunden ist die SIX zu teuer. So geben Schweizer Grossbanken schon lange viel weniger als die Hälfte der Transaktionen an die SIX.

Über den jüngsten Einbruch darf gerätselt werden, da sich die SIX bedeckt hält. Beobachter meinen, es sei wahrscheinlich, dass mehrere Hochfrequenzhändler ihre Transaktions-Algorithmen geändert hätten und nun die SIX weniger oder gar nicht mehr nutzten. Möglich wäre auch eine Änderung des Hedgings von ETF. Beide Gruppen achten stark auf die Preise und wandern schnell an die günstigeren MTF ab. Die alternativen Plattformen haben allerdings einen grossen Wettbewerbsvorteil, da sie sehr viel weniger reguliert sind und somit auch viel weniger Auflagen erfüllen müssen.

Zürich, den 9. Oktober 2013


Autoersatzteile

Sensoren machen viele Bagatellschäden exorbitant teuer

Welcher Autofahrer kennt das nicht? Auch kleinste Reparaturen oder auch nur Änderungswünsche können enorm ins Geld gehen. So verlangt manche Zürcher BMW-Garage für das Abstellen des nervigen Warnsignals, das stets dann ertönt, wenn der Sicherheitsgurt nicht angelegt ist, satte 200 Fr. Nicht nur viele Autohersteller kämpfen um die Profitabilität, sondern auch ihre hauseigenen und externen Händler sowie Werkstätten. Da kommen die vergleichsweise guten Margen bei Reparaturen, Originalersatzteilen oder Dienstleistungen gerade recht.

Besonders ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass viele Bagatellschäden, die normalerweise noch einigermassen «billig» zu reparieren wären, inzwischen unfassbar teuer sein können. Dies liegt an den zahlreichen Sensoren, die rund um das Auto verteilt sind und von denen es vor allem bei Neuwagen und Premium-Fahrzeugen immer mehr gibt. Sie messen den Abstand nach hinten und zur Seite beim Parkieren, überwachen den toten Winkel beim Spurwechsel und vieles mehr. Ein Luxuspaket für den Fahrer bietet der adaptive Tempomat, bei dessen Einsatz der Fahrer auf der Autobahn nur noch lenken muss. Den Abstand zum Vordermann regelt das Auto über die Sensoren selber. Solche Sensoren sind teuer, sie kosten nach Angaben des Touringclubs der Schweiz (TCS), die in einer Analyse des «K-Tipps» zitiert werden, zum Beispiel bei BMW 2550 Fr. und bei Honda sogar 4880 Fr. Häufig befinden sich derlei nützliche Helfer im Kühlergrill, in der Stossstange oder irgendwo seitlich am Fahrzeug. Kommt es dann zum Auffahrunfall oder streift der Fahrer mit dem Auto ein Hindernis, sind die Sensoren schnell defekt.

Für viele Hersteller scheint das ein willkommenes Zusatzgeschäft zu sein, können sie die Sensoren doch günstig en gros einkaufen. Doch nicht alle Autobauer ticken so. Man kann die Sensoren auch besser schützen oder gleich an weniger heiklen Stellen anbringen, etwa hinter der Windschutzscheibe. Das spart den Kunden viel Ärger und Geld.

Zürich, den 7. Oktober 2013


Gelassene Börsenreaktionen

Der Arbeitsmarkt und das Fed werden den Shutdown verdängen

Die oft so aufgeregten Teilnehmer an den Aktienmärkten haben am Dienstag gelassen auf die Eskalation des Haushaltsstreits in den USA und den damit verbundenen Shutdown der Verwaltung reagiert. Die Indizes legten gar zu. Dies dürfte vor allem drei Ursachen haben.

Erstens wurde die bereits im Vorfeld sehr wahrscheinlich erscheinende Schliessung der Verwaltung in den vergangenen Tagen schon in die Kurse eingearbeitet. Zweitens sind die unmittelbaren negativen realwirtschaftlichen Folgen des Shutdown wohl überschaubar, solange es nicht in den kommenden Wochen zu einer wirklichen Zahlungsunfähigkeit der USA kommt. Und drittens weiss man aus den Erfahrungen der Vergangenheit, dass die Reaktionen an der Börse meist gering sind. Der letzte Shutdown des Jahres 1996 ist schon lange her, doch von 1976 bis 1987 kam es fast jedes Jahr zu einer Schliessung der Verwaltung – manchmal sogar zwei- (1984) oder dreimal (1977) in einem Jahr. Die Stimmungs-Spezialisten der amerikanischen Website Sentimenttrader.com haben die Folgen für die Aktienmärkte analysiert. Danach betrug die durchschnittliche Performance des S&P-500-Indexes während der letzten 17 Shutdowns seit 1976, den gegenwärtigen nicht mitgerechnet, in der Woche vor der Schliessung 0,3%, am Tag nach der Schliessung –0,3% und fünf Tage danach –0,2%. Das sind keine Zahlen, die einen Anleger nervös machen müssten, zumal der grösste Tagesverlust nach dem Shutdown nur –1,9% betrug (1977) und der grösste Wochenverlust lediglich –3,2% war (1978). Dagegen betrug der stärkste Wochengewinn stattliche 7,4%.

Auch heuer wird sich die Aufmerksamkeit vermutlich bald wieder vom politischen aufs wirtschaftliche Geschehen konzentrieren. Am Freitag erscheint der monatliche Arbeitsmarktbericht, und kommende Woche wird das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank (Fed) veröffentlicht. Spätestens dann dürfte die wichtigste Frage wieder lauten, ob und wann die Notenbanker die Liquiditätszufuhr in die Finanzmärkte drosseln werden.

Zürich, den 1. Oktober 2013


Nervöse Aktienmärkte

Regierungskrisen als neue Kaufgelegenheiten?

Halloween ist eigentlich erst Ende Oktober. Doch das unwürdige Gezänk zwischen Demokraten und Republikanern in den USA um einen Nothaushalt (bzw. die Gesundheitsreform) könnte sich für Anleger schon jetzt zu einen Albtraum entwickeln. Das Gleiche gilt für die vom Egomanen Silvio Berlusconi ausgelöste neuerliche Regierungskrise in Italien. In dieser Woche wird man sowohl aus Washington als auch aus Rom zumindest Signale bekommen, wie es kurzfristig weitergehen könnte.

Die Finanzmärkte wurden von den Regierungskrisen bereits am Montag belastet. Die führenden Aktienindizes der Welt gaben zwischen gut 0,5% und gut 2% nach. Dies darf man als Signal werten, dass Sicherheit kurzfristig wieder stärker gefragt ist als Risiko. In Berlin ist zwar noch keine Geisterstunde, es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass sich auch Deutschland zu einem Krisenherd entwickeln könnte, wenn sich die Regierungsbildung sehr viel schwieriger gestaltet, als man jetzt schon befürchten muss. Doch meist siegt zumindest in Berlin die Vernunft. Insgesamt bleibt jedoch der Eindruck, dass «Big Government» immer grösser, ineffektiver und vor allem zerstrittener wird. Die Wirtschaft und die Aktienmärkte in den USA und andernorts scheinen sich nicht wegen, sondern trotz den Massnahmen und Querelen in den Hauptstädten dieser Welt gut zu entwickeln. Das Regieren haben überspitzt gesagt ohnehin die Notenbanken übernommen, indem sie einerseits den Handlungsdruck auf Politiker reduzieren und anderseits den Investoren den Rücken freihalten.

Je nach weiterer Entwicklung dies- und jenseits des Atlantiks könnte auf kurze Frist die Nervosität an den Märkten dennoch zunehmen. Der Oktober ist ohnehin berüchtigt für die oftmals schlechte Performance von Aktienindizes in diesem Monat. Danach folgt mit dem Zeitraum November bis Januar jedoch die beste Drei-Monate-Periode an der Börse überhaupt. Insofern bieten sich an den Aktienmärkten vielleicht bald gute Einstiegschancen.

Zürich, den 28. September 2013


Finanzmarkt-Regulierung

Die schwierige Umsetzung eines G-20-Beschlusses

Das Treffen der G-20-Staaten im September 2009 in Pittsburg war ein Schlüsselereignis in der Finanzmarktregulierung. Unter dem Eindruck der Pleite von Lehman Brothers und ihrer Folgen beschlossen die Mitglieder, dass standardisierte Derivate, die bis dato ausserbörslich gehandelt wurden, in Zukunft über regulierte Börsen gehandelt und diese Transaktionen über regulierte Clearing-Häuser abgewickelt werden sollen. Durch die Verschiebung der Transaktionen vom undurchsichtigen ausserbörslichen Markt auf regulierte Börsen versprach sich die G-20 eine Reduktion der systemischen Risiken. Beschlossen sind derlei (sinnvolle) Massnahmen schnell, doch die Tücken liegen in der Umsetzung und beschäftigen die Marktteilnehmer oft viele Jahre.

Bei globalen Regulierungen liegt es auf der Hand, dass ein Top-down-Ansatz sinnvoll ist. Dieser hätte etwa ein koordiniertes Vorgehen der Staaten in Zusammenarbeit mit der Iosco, der globalen Vereinigung der Finanzaufsichtsbehörden, sein können. Stattdessen wurde ein Bottom-up-Ansatz gewählt. Viele Jurisdiktion wurstelten zuerst alleine vor sich hin. So kam es, dass die Umsetzung in den USA ein Teil der Dodd-Frank Act wurde, während sie in Europa in die Emir-Richtlinie einfloss. Dabei versuchten beide Seiten, durch eine lokale Umsetzung Fakten zu schaffen, um die eigenen Interessen und Vorstellungen durchzusetzen. Doch abweichende Lösungen in verschiedenen Rechtsgebieten schaffen die Gefahr von regulatorischer Arbitrage. Entsprechend monierte das Financial Stability Board bereits die Umsetzung und will das Ausnutzen von regulatorischen Unterschieden verhindern.

Das scheint vernünftig. Zwar wird dadurch der Wettbewerb um die beste Regulierung zwischen verschiedenen Jurisdiktionen reduziert. Doch ein global gleiches Spielfeld ermöglicht den Marktteilnehmern eine starke Reduktion der Kosten (z. B. nur noch ein Clearing-Haus statt fünf), und es ist die Basis für einen starken Wettbewerb der Marktteilnehmer untereinander - zum Nutzen der Kunden.

Zürich, den 27. September 2013


Deutschland vor der Wahl

Mit dem Euro wird die wichtigste Frage tabuisiert

Am 22. September hat Deutschland die Wahl. Wirklich? Die beiden grossen Parteien CDU/CSU und SPD unterscheiden sich schon lange nicht mehr all zu sehr. Das gilt sogar für viele Wirtschaftsfragen. Für Anleger ist das Wichtigste bereits entschieden, wie eine Umfrage von Sentix zeigt. 93% der Befragten erwarten, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt und mit rund 50% Wahrscheinlich mit einer schwarz-gelben Koalition oder zu etwa 30% in einer grossen Koalition mit der SPD weiter regiert. Alle anderen Möglichkeiten, wie etwa Jamaika, Rot-Grün oder Rot-Rot-Grün, werden mit unter 5% als sehr unwahrscheinlich erachtet. Entsprechend verläuft der Wahlkampf tröge und einschläfernd. Es geht um Fragen der Umverteilung, Mindestlohn, Rentenalter, Kindergartenplätze oder seit neustem gar eine Autobahnmaut für Ausländer. Das sind zum Teil durchaus wichtige Themen, die für Streit Sorgen könnten. Doch eine der Kernfragen für die ökonomische Zukunft des Landes wird trotz des Aufkommens der ökonomisch oft vernünftig argumentierenden neuen Partei «Alternative für Deutschland» ausgeklammert: Sollte Deutschland im Euro bleiben?

Nahezu unisono haben sich Parteien (und Medien) offenbar ein Denkverbot auferlegt. Zu gross scheint der Wunsch, sich gegen die längst offensichtlich gewordene ökonomische Vernunft, mit der bedingungslosen Euro-Mitgliedschaft als gute Europäer zu präsentieren – als wenn das eine wirklich was mit dem anderen zu tun hätte. Doch wenn eine Entscheidung als alternativlos dargestellt wird, müssen Wähler grundsätzlich sehr misstrauisch sein. Andere Wege gibt es immer, oft sogar bessere als die leichten und offensichtlichen. Der Euro kann für Deutschland trotz gewisser Vorteile noch sehr teuer werden. Das wird sich nach der Wahl zeigen. Rational wäre es, die Kosten der Mitgliedschaft und des Austritts genau zu analysieren und gegenüberzustellen. Dann kann man Vor- und Nachteile abwägen und entscheiden. Die Aufforderung dazu kann auch an der Urne passieren. Am 22. September hat Deutschland eine Wahl. Wirklich!

Zürich, den 12. September 2013


Nahrungsmittel-Spekulation

Totale Entkoppelung von Realität und Wahrnehmung

Realität und Wahrnehmung klaffen in vielen Bereichen im Finanzsektor auseinander. Oft siegen Unwissen und ideologische Verblendung über Erkenntnisse, welche die Wissenschaft liefert. Ein ewiges Beispiel dafür ist die geradezu als niederträchtig diffamierte Spekulation mit Nahrungsmitteln, weil diese die Preise nach oben (nach unten ist offenbar weniger schlimm) treibe und dadurch Menschen in armen Teilen der Welt hungern oder gar verhungern würden.

Entsprechend kam jüngst eine Umfrage der Gesellschaft Forsa im Auftrag der Hilfsorganisation Oxfam zu dem Ergebnis, dass 78% der befragten Deutschen wollen, dass Finanzinstitute die Spekulation mit Nahrungsmitteln beenden. Bei den 30- bis 49-Jährigen lag die Quote gar bei 83%. Das Ergebnis erschüttert besonders, weil die «Fakten» eine andere Sprache sprechen. Es ist weitherum kaum bestritten, dass Spekulation an den Terminmärkten für Rohstoffe wie Weizen, Mais oder Reis nicht in die eine oder andere Richtung preistreibend wirkt. Dies gilt zum Teil sogar für das Lager der bei diesem Thema oft äusserst kritischen Nichtregierungsorganisationen. Für jeden Marktteilnehmer der auf steigende Preise setzt, gibt es einen anderen, der auf fallende wettet. Die Richtung der Preisentwicklung wird nämlich von Angebot und Nachfrage getrieben, die unter anderem wiederum durch Handelsbarrieren oder Wetterereignisse wie Dürren getrieben werden kann. Ferner ist höchst umstritten, ob Anlageprodukte, die tendenziell auf steigende Preise setzen, wie gewisse Agrarfonds, einen preistreibenden Effekt haben. Die meisten seriösen Studien scheinen dies zu widerlegen.

Der Grad der öffentlichen Fehlwahrnehmung bzw. Verblendung ist inzwischen so hoch, dass in Deutschland Institute wie die Commerzbank und manche Landesbanken die Finger von solchen Produkten lassen. Statt für ihre Sache einzustehen, werfen sie kleinlaut lieber die Flinte ins Korn. Damit ist niemandem geholfen, doch die Vielfalt des Marktes wird um nützliche Produkte beschnitten.

Zürich, den 30. August 2013


Verkehrte Börsenwelt

Börsianer reagieren vermehrt negativ auf gute Wirtschaftsdaten

Gewissheit ist die Mutter der Narren, heisst es. Diese Volksweisheit trifft besonders auf das Geschehen am Aktienmarkt zu. Bestimmte «Regeln» oder erwartete Reaktionen gelten oft nur in gewissen Phasen einer Entwicklung. Eine rationale und übliche Reaktion ist etwa, dass nach positiven neuen Wirtschaftsdaten die Kurse an den Aktienbörsen anziehen. Von einer guten Konjunktur profitieren ceteris paribus die Unternehmen, da sie in einem solchen Umfeld ihre Gewinne leichter steigern können. In den letzten Tagen war am amerikanischen Aktienmarkt jedoch ein Phänomen zu beobachten, das in den nächsten Wochen noch öfters auftreten dürfte. Auf gute Konjunkturdaten reagierten die führenden Indizes mit teilweise deutlichen Abschlägen.

Die Reaktion ist jedoch keineswegs irrational. Die Börsianer begegnen positiven Konjunkturdaten mit Skepsis, weil sie befürchten, dass die amerikanische Notenbank (Fed) die Politik des extrem billigen Geldes aufgrund der soliden Wirtschaftsentwicklung schneller als bisher angenommen beenden wird. Mindestens drei Vertreter des Fed taten jüngst kund, dass der Ankauf von Wertpapieren in Höhe von monatlich 85 Milliarden Dollar bereits Mitte September reduziert werden könnte. Dann findet die nächste reguläre Sitzung der Notenbank statt. Ein langsameres Laufen der Notenpressen, so fürchten die Marktteilnehmer, wird sich negativ auf die Aktienmärkte auswirken. Seit 2008 hat das Fed im Rahmen mehrerer Programme Wertpapiere für insgesamt rund 3 Billionen Dollar gekauft. Diese Käufe waren hochgradig positiv korreliert mit einer positiven Performance an den Aktienbörsen.

Ein Versiegen der Geldflut mag manchen Investor schmerzen, doch es ist unausweichlich. Je früher es kommt, desto besser ist es. Dann gibt es zwar immer noch keine Gewissheiten an der Börsen, aber wieder einen Hauch von Normalität.

Zürich, den 25. August 2013


Ausfall an der Nasdaq

Gefährliche Tücken des elektronischen Wertpapierhandels

Der über dreistündige Handelsausfall an der Technologiebörse Nasdaq vom Donnerstag war einer der schwersten Zwischenfälle seit Beginn des elektronischen Handels in den USA. In den letzten Monaten häuften sich die Probleme, die mit der rasanten Veränderung des Wertpapier-Tradings einhergehen.

Man muss grundsätzlich drei verschiedene Ursachen für Turbulenzen unterscheiden. Erstens gehen Handelsunterbrüche oder andere technische Probleme oft von Börsenbetreibern selber aus. Beispiele für Ausfälle wegen technischer Probleme gab es in den vergangenen Jahren nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und Asien viele. Zudem verpatzten manche Börsenbetreiber vielbeachtete Börsengänge: die Nasdaq spektakulär jenen von Facebook, und Bats/Chi-X scheiterte desaströs am eigenen Börsengang. Zweitens lösen immer wieder die ultraschnellen Handelssysteme von Kunden der Börsenbetreiber Abstürze und Kettenreaktionen aus. Erst diese Woche fiel Goldman Sachs mit peinlichen, fehlgeleiteten Orders auf. Im August 2012 verbuchte mit Knight Capital einer der grössten US-Aktienhändler einen Verlust von rund 500 Mio. $ und musste sich in der Folge selbst zum Verkauf stellen. Und in Erinnerung ist vor allem noch der Flash-Crash vom Mai 2010, als der Dow Jones innert Minuten um 10% einbrach und sich dann fast genauso schnell und stark wieder erholte. Drittens sorgen immer wieder auch Fehleingaben von Händlern für Turbulenzen, wenn sie etwa mit einem «fat finger» zu viele Nullen in ein Ordersystem eingeben. Nicht nur die Elektronik versagt manchmal, sondern auch der Mensch.
Wichtig ist, dass alle Beteiligten die Verantwortung für ihr Tun tragen müssen und dies finanziell auch können. Fehlbare Firmen müssen untergehen, und auch die «Big Boys» wie Goldman Sachs dürfen Fehl-Trades von den Börsen nicht später annulliert bekommen. Die Regulatoren müssen darüber hinaus dafür sorgen, dass nicht die Allgemeinheit unter den Exzessen des elektronischen Handels leidet.

Zürich, den 23. August 2013


Börsen-Radar

US-Zinsanstieg macht Aktien-Rally den Garaus

1994 war ein schwieriges Jahr mit vielen aufsehenerregenden Ereignissen an den internationalen Finanzmärkten. Dazu zählten etwa der drohende Kollaps der amerikanischen Bankers Trust und der unerwartete Todeskampf der Investmentbank Warburg. Zudem sorgte der in zwei Etappen stattfindende steile Zinsanstieg dafür, dass etliche Banken und Hedge-Funds mit ihren Positionen am Anleihenmarkt in die Bredouille gerieten. Dabei erlitten etwa die beiden Hedge-Fund-Legenden der 1980er und 1990er Jahre, Michael Steinhardt und Stanley Druckenmiller, spektakuläre Verluste im hohen dreistelligen Millionenbereich.
Wiederholt sich Geschichte [83 KB] ?

Derzeit kommt es in den USA wieder zu einem scharfen Zinsanstieg. Wiederholt sich die Geschichte etwa? Meistens tut sie das nicht, jedenfalls nicht exakt. Doch oft kann man Erkenntnisse und Lehren aus ähnlichen Entwicklungen in der Vergangenheit ableiten. Um die Geschehnisse im Jahr 2013 zu beurteilen, ziehen Beobachter häufig die Jahre 1994 und 1987 heran. In diesen beiden Jahren kam es ebenfalls innerhalb von kurzer Zeit zu spektakulären Zinsanstiegen in den USA. In beiden Jahren gerieten die Aktienmärkte in dieser Phase teilweise unter erheblichen Druck.

1994 stiegen die Zinsen gemessen an zehnjährigen US-Staatsanleihen erst im Frühjahr und dann im Herbst innerhalb von jeweils rund drei Monaten zuerst um rund zwei Prozentpunkte (oder 34%) von 5,6% auf 7,5% und dann um knapp einen Punkt (oder 11%) von 7,2% auf 8,0%. In der gleichen Zeit sank der Dow Jones Industrial um 10% bzw. 6%. Noch aufsehenerregender waren die Ereignisse im Crash-Jahr 1987. Ebenfalls jeweils im Frühjahr und im Herbst stiegen die Zinsen von US-Treasuries innerhalb von nur zwei Monaten um knapp zwei Punkte (oder 25%) von 7,2% auf 9,0% sowie um ebenfalls etwa 2 Prozentpunkte (oder 21%) von 8,5% auf 10,3%. Im gleichen Zeitraum verlor der Dow Jones 8% bzw. 21% an Wert.

Der Crash im Herbst des Jahres 1987 ist prozentual gesehen bis heute der grösste Einbruch am amerikanischen Aktienmarkt. Die Ursachen des Absturzes wurden nie exakt geklärt, da es im Gegensatz zum 11. September 2001 keinen klaren Anlass gab. Sicher ist, dass neben dem Zinsanstieg mehrere Faktoren zusammenkamen. Der Dow Jones Industrial hatte sich seit 1985 ungefähr verdoppelt, somit also ein starkes Rally hinter sich, und war stark überkauft. Zudem war im Frühherbst zwischen der US-Notenbank (Fed) und der Deutschen Bundesbank ein erbitterter Streit über die Zins- und Währungspolitik entbrannt, der auf den Marktteilnehmern lastete.
Im Jahr 2013 hat sich die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen bereits seit Anfang Mai um 1,3 Prozentpunkte (oder 80%) von 1,6% auf derzeit rund 2,9% beinahe verdoppelt. Rein prozentual gesehen, ist dieser Anstieg massiv höher als in den Jahren 1987 und 1994. Allerdings ist das absolute Zinsniveau immer noch rekordverdächtig tief, so dass die Vorgänge nicht eins zu eins miteinander vergleichbar sind.

Der «Dow» hat sich bisher erstaunlich gut gehalten. Seit Mai ist er weitgehend seitwärts gelaufen, wobei er vom jüngsten Hoch Anfang August inzwischen rund 5% an Wert verloren hat. Nicht nur aufgrund der Historie warnen inzwischen Marktteilnehmer davor, dass sich bei einem weiteren Anstieg der Zinsen in den USA in Richtung 3,5% die Korrektur am Aktienmarkt fortsetzen könnte. Viele Experten sprechen von einem drohenden Rückschlag von insgesamt rund 10% seit dem Hoch. Danach wäre erst die Hälfte des erwarteten Kursrückgangs eingetreten.

Laut den Strategen der Bank Sarasin, die sich den Zusammenhang von Aktien und Zinsen seit 1995 angesehen haben, schwankt die Korrelation zwischen Aktien und Zinsen sehr stark. Es gibt Phasen mit hoher und solche mit niedriger Korrelation. Tendenziell sei sie bei fallenden Aktienkursen hoch und bei steigenden tief. Die Ergebnisse werden darauf zurückgeführt, dass im Aufschwung Aktien, Zinsen, Wirtschaftswachstum und Inflation im Gegensatz zum Abschwung verzögert aufeinander reagieren. Besonders betroffen seien - wenig überraschend - Unternehmen aus dem Versicherungssektor, da diese eine hohe Zinssensitivität aufwiesen, sowie stark fremdfinanzierte Unternehmen.

Die Ökonomen der Rating-Agentur Standard & Poor's kamen auf Basis von Daten seit 1953 ferner zu dem Ergebnis, dass der breite S&P-500-Index im Durchschnitt auch dann stieg, wenn die Renditen zulegten, jedenfalls solange der Anstieg gering ausfiel. Für den Vergleich mit 2013 dürften in der Vergangenheit jedoch Phasen mit einem starken Zinsanstieg in kurzer Zeit relevanter sein als eine kontinuierliche Beobachtung der vergangenen Jahrzehnte.

Zürich, den 20. August 2013


Ein Jahr nach Draghis Rede

Die Währungsunion braucht die strenge Kontrolle der Märkte

Ein Jahr ist es her, seit Mario Draghi seine «Whatever it takes»-Rede gehalten hat, in der er eine Überlebensgarantie für den Euro abgab. Obwohl ein Versprechen im Sinne eines «koste es, was es wolle» ökonomisch unsinnig und politisch zudem noch stupide ist, war die Aussage des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) vermutlich die «erfolgreichste» verbale Intervention eines Notenbankers, die es je gegeben hat. Der «Erfolg» zeigte sich einerseits bei den Marktteilnehmern, die sich entspannten, was zu sinkenden Anleihenrenditen und steigenden Aktienkursen führte. Und der «Erfolg» zeigte sich anderseits bei den Politikern, die sich nun ebenfalls entspannen konnten, da die Macht der Märkte gebrochen war. So weit, so gut, könnte man meinen. Es ist jedoch gar nicht die Aufgabe der EZB, die Märkte zu manipulieren und für Entspannung bei der Classe Politique zu sorgen. Sie soll sich allein um die Stabilität der Währung kümmern.

Für eine stabile Währungsunion ist es jedoch wichtig, dass alle Teilnehmer am gleichen, im Vorfeld definierten Strang ziehen und sich entsprechend an die geschlossenen Verträge halten. Doch aus der Vertrags-Union ist längst eine Vertragsbruch-Union geworden. Zwar machen manche Staaten wie etwa Spanien einige Fortschritte bei der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, doch scheint in Italien die Reformfähigkeit sehr begrenzt zu sein. Für Griechenland gilt das noch mehr, und es glaubt niemand, dass es nicht noch einen Schuldenschnitt geben wird. Die von Draghis Versprechen überdeckten Probleme werden nach der Wahl in Deutschland mit Vehemenz zurückkehren. Daher braucht die Währungsunion auch keine zweifelhaften Versprechen, sondern neutrale Kontrollinstanzen. Politische Gremien sind dazu, bei allem Respekt, nicht in der Lage. Diese Funktion können nur die von Manipulationen der EZB befreiten und vor Eingriffen der Politiker geschützten Finanzmärkte erfüllen. Die Märkte sind zwar auch nicht perfekt, aber wenigstens das Beste, was es gibt.

Zürich, den 27. Juli 2013


Der SMI wird 25 Jahre alt

Der Swiss-Market-Index als Spiegel internationaler Krisen

Am 30. Juni wird der Swiss-Market-Index 25 Jahre alt. Im Kursverlauf [981 KB] des Leitindexes spiegeln sich internationale Krisen und in seiner Zusammensetzung die Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Die Lancierung 1988 hatte indes einen recht profanen Grund. Lesen Sie mehr hier [791 KB] .


Verbot von Leerverkäufen

Fragwürdige Erkenntnisse der Finanzaufsicht Esma

Wie sinnvoll ist das Verbot von Leerverkäufen (Short Selling), also die Untersagung von Wetten auf fallende Kurse von Wertschriften wie Aktien, Staatsanleihen oder ungedeckten Kreditausfallversicherungen? Leerverkaufsverbote wurden in der Vergangenheit oft in heissen Marktphasen erlassen, etwa wenn Aktienkurse unter enormem Verkaufsdruck standen oder auch wenn das Geschehen am Markt für Staatsanleihen nicht dem entsprochen hat, was sich Politiker wünschen.

Die europäische Wertschriften- und Marktaufsicht Esma, eine EU-Behörde, veröffentlichte am Montag eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Analyse über den Einfluss des während der Krise eingeführten Short-Selling-Verbotes. Die Aufseher kommen zum Ergebnis, dass die Regulierung einige positive Effekte bei der Markttransparenz und der Reduzierung von Risiken bei der Abwicklung von Transaktionen zeitigte. Allerdings weist die Behörde selber darauf hin, dass die Daten mit Vorsicht zu geniessen seien, da der Erhebungszeitraum sehr kurz gewesen sei. Die Liquiditätseffekte am Aktienmarkt seien gemischt und bei Kreditausfallversicherungen leicht negativ gewesen, die Volatilität habe geringfügig abgenommen, ebenso wie die Geld-/Brief-Spanne, und es habe keinen signifikanten Einfluss auf das Handelsvolumen gegeben. Allerdings sei auch die Geschwindigkeit der Preisfindung gesunken.

Die Ergebnisse stehen zum Teil im Kontrast zu früheren Erkenntnissen über den Sinn von Short-Selling-Verboten. Die Federal Reserve von New York untersuchte die Effekte von Leerverkaufsverboten 2011, als in den USA im Gegensatz zur EU kein Verbot ausgesprochen wurde. Dabei kamen die Amerikaner zum Ergebnis, dass die betroffenen Titel im gleichen Tempo wie der Gesamtmarkt fielen und sich zudem die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskursen im Schnitt um 23 Punkte erhöhte. Besser, so die Schlussfolgerung, wäre man unter dem Strich ohne Short-Selling-Verbot gefahren.

Zürich, den 5. Juni 2013


Automobilbranche

Japaner überholen Deutsche dank schwachem Yen
Die japanischen Automobilhersteller befinden sich auf der Überholspur. Im ersten Quartal haben sie ihre deutschen Konkurrenten im Durchschnitt bei der operativen Marge überholt. Während die Profitabilität der Autobauer aus dem Reich der aufgehenden Sonne um 2,7 Prozentpunkte auf 6,9% stieg, sank jene der Konkurrenz aus Europas grösster Volkswirtschaft um gut 2 Prozentpunkte auf 5,9%. Zu diesem Ergebnis kamen die Unternehmensberater von Ernst & Young im Rahmen einer Bilanzanalyse der 17 grössten Autohersteller der Welt, wobei die Konzerne unterschiedliche Rechnungslegungs-Standards verwenden. Spitzenreiter bei den einzelnen Unternehmen ist weiterhin BMW mit einer Marge von 11,6%. Die beiden anderen deutschen Vertreter Volkswagen (5,0%) und Daimler (3,5%) erlitten markante Einbussen der Profitabilität, während Toyota (8,6%) und Mazda (5,1%) die Margen verdoppelten und Honda (5,0%) und Nissan (6,1%) leichte Fortschritte erzielten.

Nach einem Tief infolge mehrerer Naturkatastrophen und selbstverschuldeter Probleme sind die Japaner zurück. Sie steigerten die Effizienz und profitierten vom geringen Gewicht im schwächelnden Markt Europa, wogegen sie in den gut laufenden USA stark vertreten sind - im Gegensatz zum deutschen Konkurrent Volkswagen. Die Hauptursache ist jedoch laut Ernst & Young der schwache Yen. Er hat sich gegenüber dem Euro seit einem Jahr um fast 40% abgeschwächt. Hier zeigen sich also ganz konkret die Folgen des globalen «Währungskrieges». Japan hat nämlich seit August 2012 seine Wettbewerbsfähigkeit gemessen am realen effektiven Wechselkurs gegenüber Deutschland um rund 20% gesteigert. Dies beeinflusst besonders andere Exportnationen, also vor allem die Bundesrepublik, da das Land eine ähnliche Wirtschaftsstruktur und vergleichbare Stärken (Automobil- und Maschinenbau) aufweist wie Japan. Wenn Toyota gegen Volkswagen antritt, heisst das Duell eben immer auch Japan gegen Deutschland.

Zürich, den 1. Juni 2013


Abstürzender Yen

Wahr werdender Albtraum für Europas Autobranche

Auf einen weiter fallenden Yen zu spekulieren, ist derzeit wohl der beliebteste Trade von Hedge-Funds und anderen Teilnehmern an den globalen Finanzmärkten. Gegenüber fast allen anderen Währungen hat der Yen aufgrund der Neuausrichtung der japanischen Geldpolitik, die durch ein noch stärkeres Anwerfen der Notenpresse Inflation um jeden Preise erzwingen will, bereits erheblich an Wert verloren. Gegenüber dem Dollar verlor die japanische Währung seit Mitte November rund 25% und gegenüber dem Euro etwa 30% an Wert. Während Exporteure im Land der aufgehenden Sonne und des untergehenden Yen jubeln, dürfte es den Konkurrenten in den USA, Europa und andernorts grausen. Das gilt vor allem die angeschlagene Automobilbranche auf dem alten und dem neuen Kontinent.

Viele der Massenhersteller in Europa stehen derzeit ohnehin äusserst bescheiden da, das gilt etwa für PSA Peugeot Citroën, Renault, Fiat und und die GM-Tochter Opel. Und auch in den USA sind GM, Ford und Chrysler trotz deutlicher Erholung seit der Hochphase der Finanzkrise noch längst nicht endgültig über den Berg. Bisher half den Autobauern wenigstens, dass die früher bereits sehr starke Konkurrenz aus Japan in den vergangenen Jahren mit den Folgen der Erdbebenkatastrophe und hausgemachten Problemen kämpfte. Zudem erstarkte der Yen gegenüber dem Dollar von 2008 bis 2011 um mehr als 30% und zum Euro von 2008 bis 2012 um etwa 45%.

Doch nun hat der Trend gedreht, und die Japaner bekommen von mehreren Seiten Rückenwind. An den Devisenmärkten gehen viele Experten davon aus, dass sich der Yen mittelfristig nochmals um weitere 25% abschwächen wird – mindestens. Dies dürfte für die serbelnden Massenhersteller der Autobranche in Europa ein Albtraum sein, denn dadurch werden sich die Wettbewerbsbedingungen der Konkurrenz aus Fernost verbessern. Das gilt umso mehr, als auch Hyundai/Kia unter anderem dank dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Korea weiter auf dem Vormarsch ist.

Zürich, den 15. April 2013


Staats- und Gemeindesteuern

Im Kanton Zürich sind Steuern das beste Investment

«In Deutschland muss man in Steuern investieren - die steigen immer», ist nicht nur auf Cocktail-Partys ein beliebter Kalauer. Was im Nachbarland jedoch meist mit bitter-ironischem Unterton zum Besten gegeben wird, erscheint hierzulande als valable Anlage-Idee. Zwar kennen Schweizer im Gegensatz zu Deutschen tatsächlich auch sinkende Steuern, doch lohnend in Steuern «investieren» kann man - zumindest im Kanton Zürich - durch eine schnelle Zahlung der Staats- und Gemeindesteuern für das Jahr 2012. Der Stichtag für die Überweisung des fälligen Betrages ist der 30. September.

Wer vor diesem Tag bereits sein Scherflein fürs Gemeinwohl überweist, bekommt dieses ab dem Datum des Zahlungseingangs mit 1,5% verzinst; 2011 waren es sogar noch 2%. Das ist weit mehr, als man am staatlichen Schweizer Kapitalmarkt derzeit erzielt. Dort liegt die Rendite für zweijährige Staatsanleihen bei -0,05%. Anleger müssen der Eidgenossenschaft also noch Geld dafür geben, dass sie es für zwei Jahre sicher aufbewahrt. Bei einer noch kürzeren Laufzeit, die es gegenwärtig nicht gibt, würde der negative Zinssatz noch höher liegen. Berücksichtigt man ferner, dass der Zinssatz zudem deutlich über dem üblichen Niveau für Sparguthaben mit ähnlicher Laufzeit bei Banken liegt, erscheint er als stattlich.

Die Höhe des Zinssatzes wird jeweils von der Finanzdirektion beantragt und dann vom Regierungsrat festgelegt. Dabei wird mit der grosszügigen Verzinsung einerseits ein bewusst bürgerfreundlicher Weg beschritten, anderseits hilft der Verwaltung ein zeitiger Zahlungseingang bei der Liquiditätsplanung. Kosten, wie beispielsweise die Löhne der Angestellten, fallen schliesslich fortlaufend an. Doch falls nun ein paar bauernschlaue Zeitgenossen aufgrund der attraktiven Rendite sehr viel mehr Steuern überweisen, als sie zahlen müssten, wird ihnen der überschüssige Betrag umgehend retourniert. Und wer die fälligen Steuern erst nach dem 30. September überweist, wird umgekehrt mit Strafzinsen belegt - diese liegen ebenfalls bei 1,5%.

Zürich, den 2. April 2013


Teuerung zeigt sich bei den Vermögenspreisen

Der Pyrrhussieg über die Inflation

Trotz der expansiven Geldpolitik zeigt sich keine Inflation. Doch die Teuerung fliesst in die Asset-Preise und führt zu Boom-and-Bust-Zyklen. Zudem ist das von der US-Notenbank angewendete Konzept der Kerninflation nicht über jeden Zweifel erhaben. Lesen Sie alles hier [276 KB] :

Zürich, den 6. April 2013


Repression zypriotischer Anleger

Enteignung grassiert in ganz Europa

Durch die Repression zypriotischer Kleinsparer ist das Schlagwort Enteignung plötzlich in aller Munde. Eine kalte Enteignung mit negativen Realzinsen gibt es in ganz Europa jedoch schon seit Jahren. Lesen Sie den ganzen Kommentar hier [145 KB] .

Zürich, den 24. März 2013


Staatliches Geldmonopol

Währungs-Privatisierungen gegen Notenbank-Exzesse

Privatisierungen sind in den letzten Jahrzehnten weit vorangeschritten. Nur beim Geld verteidigt der Staat sein Monopol vehement. Die Forderung nach einer Abkehr vom Zwangsgeld wird aber angesichts laufender Notenpressen lauter. Lesen Sie mehr hier [306 KB] .

Zürich, den 15. März 2013


Gespräch mit Porsche-Chef Matthias Müller

Vom Blaumann in den edlen Zwirn

Matthias Müller kennt man vor allem im feinen Anzug. Doch der edle Zwirn ist bei ihm die Uniform des Porsche-Chefs. In der Freizeit liebt er es leger. Der Anzug wird dann nur ab und zu für einen Theaterbesuch aus dem Schrank geholt. Angefangen hat Müller seine Karriere im Overall des Lehrlings. Der Eintritt ins Berufsleben erfolgte mit einer Ausbildung als Werkzeugmacher, danach studierte Müller Informatik in München. Diese Stationen betrachtet er heute noch als wichtig für seine Entwicklung. Die Lehre habe ihm gezeigt, was normale Arbeit sei. Und während des Informatik-Studiums habe er gelernt, logisch und vernetzt zu denken. Seit 2010 ist Müller Chef des Sportwagenherstellers Porsche. Seine früheren Erfahrungen helfen ihm bei der Führung einer der wertvollsten Marken des VW-Konzerns. Mit der 2011 lancierten «Strategie 2018» hat er sich ambitionierte Ziele gesetzt. Porsche will den Absatz bis dahin auf 200 000 Einheiten mehr als verdoppeln. Lesen Sie mehr hier [2.351 KB] .

Zürich, den 8. März 2013


Freihandel EU - USA

Die Automobilbranche könnte Hunderte Millionen Euro sparen

Der freie Handel zwischen verschiedenen Ländern und Wirtschaftsräumen ohne Zölle und andere Marktzugangs-Barrieren ist eine grosse Triebkraft für Wachstum und Wertschöpfung. Nicht umsonst bilden sich weltweit Freihandelszonen nach dem Vorbild der Europäischen Union (EU). Weil die multilateralen Verhandlungen innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) im Rahmen der sogenannten Dauha-Runde seit Jahren stagnieren, gewinnen bilaterale Abkommen wieder an Bedeutung.

Jüngst setzten sich Politiker dies- und jenseits des Atlantiks dafür ein, die alte Idee eines Freihandelsabkommens zwischen den USA und der EU endlich umzusetzen. Die Unternehmen würden dies sehr begrüssen, wie sich auch am Genfer Automobilsalon zeigte. «Wir sind für konsequenten Freihandel auf der ganzen Welt», sagte zum Beispiel Porsche-Chef Matthias Müller im Gespräch. Ganz ähnlich klingt es bei Daimler-CEO Dieter Zetsche. Er sei ein hundertprozentiger Befürworter eines Freihandelsabkommens zwischen den USA und der EU, da dies ein grosses Potenzial für die Wirtschaft berge. Auch für Daimler sei ein Freihandelsabkommen von Vorteil. Noch konkreter wird Norbert Reithofer, Konzernchef von BMW. Auch er meint, ein Freihandelsabkommen würde den Ökonomien der USA und der EU einen Schub geben. Wie auch andere Autohersteller importiert BMW nicht nur in die USA, sondern exportiert von dort aus auch Fahrzeuge. So betreiben die Bayern beispielsweise in Spartanburg das zweitgrösste Werk des Konzerns, bei dem gerade eine neue Montagelinie für das Elektroauto i3 eingerichtet wird. Von Spartanburg aus exportiert BMW in rund 120 Länder, davon viele in der EU.

Wegfallende Zölle beim Import und Export sowie sinkende Verwaltungskosten würden für BMW wohl einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen, sagt Reithofer. Daraus lässt sich schliessen, dass durch ein Freihandelsabkommen allein die Autobranche Hunderte Millionen sparen könnte.

Zürich, den 6. März 2013


Börse auf Rekordniveau

Mit geldpolitischen Anabolika gedoptes Aktien-Rally

Der Aktienmarkt boomt. Einige Indizes stehen knapp unter ihren historischen Rekorden. Getrieben wird die Hausse von Unternehmensgewinnen und laufenden Notenpressen der Zentralbanken. Einmal mehr dopen die Notenbanken die Börse mit billigem Geld. Das wird auf Dauer nicht gutgehen. Lesen Sie mehr hier [157 KB] .

Zürich, den 16. Februar 2013


Gespräch mit früherem EZB-Volkswirt Jürgen Stark

«Unabhängige Notenbanken gibt es nicht mehr»

Notenbanker würden zu vorauseilendem Gehorsam neigen und unabhängige Notenbanken gebe es derzeit ohnehin nicht mehr, sagt Jürgen Stark im Gespräch mit der NZZ. Das ist harter Tobak. Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), der sich nun frei äussern kann, sieht auch den Kurs der Schweizerischen Nationalbank beim Franken eher kritisch. Lesen Sie mehr hier [175 KB] .


Dow Jones vor Rekordhoch

Auf dem Gipfel wird die Luft immer dünner

Allen Sorgen und Unkenrufen zum Trotz haben die Aktienmärkte in den letzten Monaten ein fulminantes Rally hingelegt. Der Dow Jones stand am Mittwoch mit 13 950 Punkten ganz knapp unter seinem Rekord vom 11. Oktober 2007. Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise war der «Dow» damals im Tagesverlauf bis auf 14 198 Zähler gestiegen; auf Basis der Schlusskurse beträgt das Rekordhoch 14 165 Punkte.

Getrieben wird der Anstieg der Aktienkurse in den USA und andernorts vor allem von der exzessiv expansiven Geldpolitik, den weiterhin sprudelnden Unternehmensgewinnen und jüngst auch wieder vermehrt von Konjunkturhoffnungen für die USA und China. Doch auf dem Gipfel wird die Luft bekanntlich immer dünner. Das zeigt sich derzeit auch bei der Analyse des amerikanischen Aktienmarkts. Dieser ist auf allen Zeitebenen - Tag, Woche, Monat - überkauft. Die Stimmung der Anleger ist ferner so gut, dass einschlägige Indikatoren bereits an der Gefahrenzone sind, und die Volatilität ist gemessen am VIX-Indikator so niedrig wie zuletzt vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Das Geschehen erreicht zudem die breite Öffentlichkeit. Die «New York Times» brachte jüngst einen Leitartikel über die Rückkehr der Privatanleger in den Aktienmarkt, und selbst beim Boulevardblatt «USA Today» schaffte es die «neue Gier» auf Seite eins. All dies bereitet erfahrenen Marktteilnehmern Sorgen. Sie rechnen alsbald mit einer (kleineren) Korrektur, bevor sie den Kursen wieder Spielraum nach oben zubilligen. Dass sich ein etwaiges neues Rekordhoch als sehr nachhaltig erweisen wird, bezweifeln viele Beobachter allerdings.

Wie auch immer, der Trend ist ja der beste Freund des Anlegers. Solange dieser intakt ist, gibt es keinen Anlass für Hektik. Üblicherweise stürzen Aktienkurse an einem Hoch nicht sofort ab, sondern es folgt eine längere Phase der Umverteilung. Dabei wandern die Titel oft von den starken Händen (Profis) in schwache Hände (Privatanleger). Die Laien sollten also hiermit gewarnt sein.

Zürich, den 1. Februar 2013


Finanzielle Repression

Enteignung durch negative Realzinsen im Euro-Raum
Zunahme von erzwungenen Umschichtungen von privaten Pensionsfonds an den Staat

Dauerhafte Geldentwertung tut weh. Doch der Verlust an Kaufkraft muss nicht zwingend mit hohen Inflationsraten einhergehen. Ist das Zinsniveau niedrig genug, kann auch eine Inflation von 2% bis 3% sehr schmerzhaft sein, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) eine Teuerung von unter, aber nahe bei 2% als Geldwertstabilität anpreist. Dass dem nicht so sein muss, bekommen derzeit die Bürger in der Euro-Zone zu spüren.

Im Euro-Raum stiegen die Konsumentenpreise im September annualisiert um 2,6%. Das ist nicht weit von der EZB-Zielmarke entfernt. Da aber die Rendite 10-jähriger Euro-Staatsanleihen nur 1,35% beträgt, verlieren Anleger durch negative Realzinsen von -1,25% an Kaufkraft. Noch düsterer sieht es aus, wenn man die mickrigen Renditen von 5-jährigen (0,5%) und 2-jährigen Staatsanleihen (0,02%) zugrunde legt. Dies dürfte für das Sparverhalten vieler Bürger realistischer sein, da die allermeisten in sehr niedrig verzinste Anlageprodukte wie Sparbücher, Tages- und Festgeld investieren. In der Euro-Zone insgesamt herrschen bereits seit 2010 negative Realzinsen. Das gilt nur geringfügig weniger ausgeprägt auch für Deutschland. Die Renditen deutscher Bundesanleihen von 1,4%, 0,5% und 0,02% können mit der Teuerung (2,1% im September) bei weitem nicht mithalten. Auch hier werden die Bürger heimlich enteignet. Negative Realzinsen sind die bekannteste Form finanzieller Repression. Weitere Ausprägungen sind Höchstgrenzen für Zinsen, Anlagevorschriften («Basel III», «Solvency II»), Kapitalverkehrskontrollen, die Kreditvergabe an den Staat durch Pensionskassen und Versicherungen, Zwangsanleihen oder das Verbot privaten Goldbesitzes.

Einige Zwangsmassnahmen hat man seit Ausbruch der Schuldenkrise auch schon in der Euro-Zone gesehen, wie die Ökonomin Carmen Reinhart in einem Papier festhält. In Frankreich beschloss die Regierung Ende 2010 einen Angriff auf den «Fonds de Réserve pour les Retraites», einen Solidaritätsfonds für Rentner. Dabei wurde eine radikale Kehrtwende bei der Anlagepolitik und dem Anlagehorizont vollzogen. Die Gelder werden nun nicht mehr langfristig diversifiziert angelegt, sondern kurzfristig in vermeintlich solide Papiere, wobei französische Staatstitel mit kurzer Laufzeit im Fokus stehen. - Noch dreister ging die irische Regierung vor. In Dublin wurde ein nationaler Rentenfonds, der «National Pension Reserve Fund», für die Rekapitalisierung maroder Banken umfunktioniert, wobei die Regierung für diesen Zweck 15,5 Mrd. € einsetzte. Später schlug sie dann noch vor, eine Steuer von 0,5% für private Pensionsfonds einzuführen.

In Portugal verschob die Regierung den Pensionsfonds der privatisierten Telekom zurück zum Staat, der prompt Sondereinnahmen in Höhe von 2,8 Mrd. € verbuchte. Dies entsprach rund 1,6% des Bruttoinlandprodukts (BIP) und ermöglichte es dem Land, die Ziele bei der Defizitreduktion zu erreichen.

Sehr stossend war ebenfalls die in Spanien vom Finanzministerium verordnete Höhe von Zinssätzen auf gewisse Einlagen. In Österreich schränkte der Staat ferner unerwünschte Liquiditätsabflüsse über Banken nach Mittel- und Osteuropa ein. Und in Ungarn zwang die Regierung alle privat für die Rente vorsorgenden Bürger zurück ins staatliche Rentensystem, was dem Staat Sondereinnahmen in Höhe von 10 Mrd. € oder 9,5% des BIP einbrachte. Da die Schuldenkrise in Europa längst nicht ausgestanden ist, dürfte dies erst der unschöne Anfang der dauerhaften finanziellen Repression der Bürger sein.


Kaum Rendite in der Schweiz

In der Eidgenossenschaft ist die finanzielle Repression weniger ausgeprägt als in den USA, Grossbritannien und der Euro-Zone. Negative Realzinsen existieren derzeit nur im Bereich von zwei Jahren Laufzeit. Doch auch in der Schweiz gibt es selbst für Anlagelaufzeiten von fünf und zehn Jahren kaum noch Rendite aufs Kapital. Das bringt Sparer, Rentner sowie Versicherungen und Pensionskassen in Schwierigkeiten.

Ferner existieren auch im Alpenstaat regulatorische Anreize für Banken und Versicherungen, in Staatsanleihen zu investieren, da für diese kein Eigenkapital hinterlegt werden muss. Diese Bevorzugung von staatlichen gegenüber privaten Gläubigern ist bereits eine milde Form der finanziellen Repression. Zudem hält die Notenbank die Zinsen bei null und schafft über die laufenden Notenpressen enorme Summen an Geld aus dem Nichts. Das daraus resultierende Inflationspotenzial könnte sich dereinst schmerzhaft realisieren.

Zürich, den 16. November 2012


Enteignung der Sparer

Finanzielle Repression bedroht Bürger in den USA und Europa
Wie schon in der Nachkriegszeit droht den Menschen dies- und jenseits des Atlantiks eine Ära der finanziellen Repression durch die Regierungen. Das schadet primär jenen, die ihr Vermögen in niedrig verzinsten, liquiden Anlagen halten - und gefährdet die freiheitliche Wirtschaftsordnung. Alles zum Thema lesen Sie hier [157 KB] .

Zürich, den 21. Mai. 2012